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    Die Angst der Woche

    25. Januar 2012

    Die Deutschen sind ängstlich. Und sie fürchten sich vor kuriosen Dingen. Das schreibt der Autor Walter Krämer in seinem neuen Buch “Die Angst der Woche”. Der Untertitel des Werkes: “Warum wir uns vor den falschen Dingen fürchten”.

    Befeuert werden die übergroßen Ängste der Deutschen laut Walter Krämer von den Medien. Und so ist bereits Kapital eins unglaublich kurios zu lesen: Sauber alphabetisch sortiert finden sich Überschriften aus deutschen Tageszeitungen.

    “Achtung Kokosnüsse. Jedes Jahr werden weltweit mehr als 100 Menschen durch herabfallende Kokosnüsse erschlagen.” Wie viele Menschen an Kokosnüssen ersticken, weil sie die ganze Frucht in den Rachen schieben wollen, ist nicht bekannt.

    Gehen wir weiter zu “C”: “Chronische Müdigkeit durch Herpes. Viren stören die Funktion des Zentralnervensystems und dadurch unseren Schlaf.”

    Unter “W” ist zu lesen: “Winzige Käfer richten riesige Schäden an. Massen von Borkenkäfern haben in Sachsen und im Nationalpark Bayerischer Wald fast alle Fichten vernichtet.” Vom Juchtenkäfer steht nichts im Buch, doch vor dem fürchtet sich vor allem die Deutsche Bahn, weil er den Bau des Bahnhofs Stuttgart (Stuttgart21) immer wieder verzögert.

    In der Hannoverschen Allgemeine Zeitung stand das Sätzchen “Fischer klagen über sauberen See”. Und die dabei stehende Überschrift des vierten Kapitels lautet “Die Prinzessin auf der Erbse – oder: Geht es uns vielleicht zu gut?” Dieser Verdacht scheint nicht aus der Luft gegriffen zu sein, weil in vielen Ländern, in denen es den Menschen schlechter geht, weniger geklagt wird.

    Das Buch ist spannend, doch naturgemäß etwas zahlenlastig. Das vorletzte Kapitel beschäftigt sich damit, was uns unsere Ängste kosten. Spätestens da fällt man vor Staunen vom Stuhl und möchte all das gar nicht glauben. ABER SO IST ES.

     

    Haie vor der Pilsner-Stuben? Das trifft meine persönliche Angst bestens.

     

    Das Buch erschien bei Piper und kostet 19,99 Euro.
    Die ISBN: 978-3-492-05486-7

    Und ein letztes Schmankerl von der Buch-Rückseite:

    “Kann ich mich mit BSE anstecken, wenn ich zu lange auf meinem Rindsledersofa sitze?”
    Das Fazit, ganz eindeutig: “Wir fürchten uns vor den falschen Dingen. Und die Wahrheit ist manchmal viel beruhigender, als wir glauben.”

    Ihr Ulrich Schweizer

    ulrich.schweizer@konradin.de www.malerblatt.de www.malerblatt-wissen.de www.twitter.com/malerblatt


    Alles aufräumen?

    3. Januar 2012

    Keine Ahnung, ob Sie Ursus Wehrli kennen. Er brachte schon zwei ziemlich skurrile Bücher raus, in denen er berühmte Kunstwerke “zerlegte” und dann “aufräumte”.

    Sein drittes Buch nun befasst sich mit dem Aufräumen allgemein: Die Kunst, aufzuräumen.

    Ob es immer sinnvoll ist, alles aufzuräumen?

    Ob es immer sinnvoll ist, alles aufzuräumen?

    Auf der Rückseite steht: “Das Leben ist ein Chaos.Zum Glück räumt Urs Wehrli weiter auf. Nach den beiden Bestsellern “Kunst aufräumen” und “Noch mehr Kunst aufräumen” weitet Usus Wehrli seine geniale Idee aus und räumt nun mit allem auf: Vom Weihnachtsbaum über die Badewiese bis zur Fußballmannschaft. Nichts ist vor seiner ordnenden Hand sicher.”

    Hier noch ein ziemlich skurriles Beispiel, was man alles sortieren kann – freilich ganz bewusst und mit dem Schalk im Nacken gemacht: asiatische Schriftzeichen trennt der Autor nach optisch ähnlichen “Sorten”:

    Das sieht noch ziemlich unordentlich aus.

    Das sieht noch ziemlich unordentlich aus.

    Endlich ordentlich - ein Augenschmaus für jeden Technokraten.

    Endlich ordentlich - ein Augenschmaus für jeden Technokraten.

     

    Meine Lieblings-Botschaft des Buches: es ist nicht immer sinnvoll, alles aufzuräumen.
    Ursus Wehrli
    DIE KUNST, AUFZURÄUMEN
    gebunden, 48 Seiten
    Format 27,0 x 21,0 cm
    ISBN: 978-3-0369-5297-0
    16.90 €

    Die Tageszeitung “Die Welt” schreibt dazu: “Genialer Einfall eines ordentlichen Schweizers.”

    Augenzwinkernd grüßt ein unordentlicher Schweizer, der hier nämlich:

    Ulrich Schweizer

    ulrich.schweizer@konradin.de www.malerblatt.de www.malerblatt-wissen.de www.twitter.com/malerblatt


    Jetzt erst recht

    18. August 2011

    Die Chancen-Gesellschaft. Mut zum Aufstieg in Deutschland. Das ist der Titel eines Buches von Rainer Nahrendorf in dem 15 Vordenker porträtiert werden. Einer der Porträtierten ist der Malermeister Dr. Carl-Heiner Schmid.

    Zweite Auflage! Das ist schon ein großes Kompliment, wenn es um Bücher geht und es bedeutet nichts anderes, als das hier: Die erste Auflage ist vergriffen, also komplett ausverkauft. Bei der Belletristik läuft das öfter so, dann nämlich, wenn der Autor mit seinem prominenten Namen glänzen kann. Bei Sachbüchern kommt das nicht gar zu häufig vor. Bei dem Werk von Rainer Nahrendorf war das aber so. Das langjährige Mitglied der Chefredaktion des Handelsblattes hatte sich also die richtigen Köpfe ausgesucht, die er vorstellt und deren Werdegang er beleuchtet. Unter den 15 Porträtierten sind beispielsweise Hans-Olaf Henkel, Andrea Nahles, Prof. Dr. Ulrike Detmers, Bodo Hombach sowie der Malermeister und Diplomkaufmann Dr. Carl-Heiner Schmid vom größten Malerbetrieb Europas, Heinrich Schmid.

    Im seinem Vorwort zitiert der Autor Erich Kästner: „Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“ Die Porträtierten scheinen genau das gemacht zu haben. Charakterisiert werden sie folgendermaßen: „Die in diesem Buch porträtierten Vorbilder sind Aufsteiger. Sie sind entweder im Vergleich zu der Berufs-, Bildungs- oder Einkommensposition der Eltern (Generationenmobilität) aufgestiegen oder haben sich während ihrer Berufslaufbahn nach oben gearbeitet, ihr Einkommen oder ihren Status verbessert (Karrieremobilität).

    Es gibt wohl keine Führungskraft aus der Malerbranche, die die Malerwerkstätten Heinrich Schmid nicht kennt und nur wenige, die noch nichts von deren Vordenker und, Dr. Carl-Heiner Schmid, hörten. Der Alleingesellschafter der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid wird von Rainer Nahrendorf so beschrieben: „Carl-Heiner Schmid ist eine charismatische, willens- und überzeugungsstarke Persönlichkeit.“ Dass die Schmids in der fünften Generation Maler sind, auch das ist zu lesen. Und dass zu Hause Anstand wie auch Bescheidenheit wichtige Tugenden waren, doch mit Lob im schwäbischen Sinne gegeizt wurde: „Nichts gesagt ist gelobt genug.“ Carl-Heiner Schmid selber sieht das rückblickend anders: „Ich habe viel zu spät die Tatsache begriffen: Was Wasser für den Körper ist, ist Anerkennung für die Seele.“

    Als sein Vater im Betrieb klagt, dass es im Malerhandwerk keine Führungskräfte gebe, will und kann er ihm das Gegenteil beweisen. Über regelmäßige Verkaufstrainings an der Meisterschule Stuttgart gewinnt er Nachwuchskräfte, die sich zudem zu wichtigen Multiplikatoren entwickeln: „Ein Guter stellt Gute ein, ein – mit handwerklichem Verlaub gesagt – Arsch Ärsche.“

    Auch an „handwerkstypischen Kraftausdrücken“ zur rechten Zeit mangelt es dem promovierten Unternehmer nicht, der sich selber so sieht: „Im Herzen Malermeister, im Kopf Diplomkaufmann.“ Carl-Heiner Schmid kann aber nicht nur ab und zu austeilen, sondern auch einstecken: „Ich habe hohe Nehmerqualitäten. Misserfolge fordern mich heraus. Geht nicht, gibt es für mich nicht.“ Wenn er Fehler macht und auch einmal Niederlagen hinnehmen muss, dann erwachen in ihm zusätzliche Kräfte: „Meine Antwort heißt dann: Jetzt erst recht.“

    Dr. Carl-Heiner Schmid: Im Herzen Malermeister, im Kopf Diplom-Kaufmann.

    Dr. Carl-Heiner Schmid: Im Herzen Malermeister, im Kopf Diplom-Kaufmann.

    Rainer Nahrendorf entdeckte bei seiner Recherche auch die regelmäßigen Kolumnen „Zur Sache“ in der Hauszeitung von Heinrich Schmid, „HS-Report“: „Viele zeichnen sich durch eine originelle Mischung aus Lebensphilosophie und unternehmerischem Klartext aus.“ Seit Jahren liegt der „HS-Report“ jeder Ausgabe des Malerblatts bei.
    Diese Buch-Besprechung wird fast identisch im September-Malerblatt zu finden sein. Die Leser des Malerblatt-Blogs haben hier über zehn Tage Vorsprung…

    Die 15 Porträts finden sich im Buch

    Die Chancen-Gesellschaft
    Mut zum Aufstieg in Deutschland
    Rainer Nahrendorf
    adiata Verlag
    256 Seiten
    ISBN: 9783940461094
    19,90 Euro
    Auch als ebook:
    Format: EPUB
    ISBN: 9783940461100
    12,99 Euro
    Erscheinen: Nov 2010
    www.adatiaverlag.de


    Herzlichen Glückwunsch!

    29. Juni 2011

    Eine echte Gewinnerin: die Journalistin Bärbel Bosch gewann das Buch “222 Tipps & Tricks für Gewinner”.

    Sie hatte das Werk von Gitte Härter auf dem Malerblatt-Blog gesehen und sich dafür interessiert. Und zack bekam sie von der Redaktion ein Exemplar geschickt. Das Buch mit den vielen guten Tipps aus der und für die Praxis steht jetzt in Haltern am See, siehe Foto.

    Ich gratuliere herzlich und wünsche jede Menge Spaß & Anregungen mit dem Ratgeber.

    So muss es sein: Malerblatt-Blog und davor das Tipp- und Trick-Buch.

    So muss es sein: Malerblatt-Blog und davor das Tipp- und Trick-Buch.

    Halbspontan verlose ich noch einen dieser praktischen Tipp-Geber. Wer sich zuerst hier über den Blog oder über meine unten stehende Mailadresse meldet, der bekommt postwendend das Buch mit dem schönen Untertiel: So holen Sie das Beste für sich heraus!

    Ulrich Schweizer

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    Das Glück der Unerreichbarkeit

    17. Juni 2011

    Ohne wirkliche Suche entdeckte ich einen Schatz. Manchmal hilft es, seine eigenen Bücherbestände einmal wieder zu sichten – und zack taucht das eine oder andere Goldstück auf, das ein bisschen durch das Gedächtnis-Sieb gefallen war.

    So ging es mir, als ich in dieser Woche wegen diverser Zipperlein einen Gang zurückschaltete und zwei Tage am Schreibtisch zu Hause arbeitete. Bei jeder Espresso-Pause stöberte ich im Bücherregal und auch in Bücherstapeln, die irgendwie aus meinem Gesichtsfeld verschwunden waren.

    Unter anderem stieß ich auf ein Werk von Miriam Meckel, Professorin für Corporate Communication an der Universität St. Gallen und Direktorin des Instituts für Medien- und Kommunikations-Management: Das Glück der Unerreichbarkeit – Wege aus der Kommunikationsfalle.

    Das tägliche Hamsterrad, wir alle kennen es zur Genüge: Im Auto neben der Fahrt telefonieren, außer dem Gespräch auch noch die Anweisungen aus dem Navi beachten, über den Tag noch simsen, Handy-Telefonate führen, ein paarmal schnell den Laptop öffnen und nach den Mails schauen – und selbst am Wochenende oder gar in trauter Freundesrunde immer die Antennen ausfahren, dass ja jede von außen kommende Botschaft sofort registriert wird. Diese höchst freiwillige Selbstversklavung bringt nicht wenige soweit, dass sie nervlich fix und fertig sowie völlig ausgebrannt sind.

    Miriam Meckel überschreibt ein Kapitel so: Technisch erreichbar, sozial isoliert. Das ist der Knackpunkt des Ganzen. Zwar pflegt man Dutzende, ja Hunderte Kontakte “irgendwie”, doch verkümmern quasi nebenher die persönlichen Kontakte, die Ruhepole im Freundeskreis, auch dieses Sich-auf-Menschen-Einlassen und sich den andern widmen, ohne auf die elektronischen Begleiter zu hören oder zu schielen. Der Kernsatz dazu von Miriam Meckel: Wer immer erreichbar ist, ist eigentlich für nichts und niemanden wirklich da.

    Ich maile, also bin ich. Jede SMS, jedes Telefonat und jede E-Mail sei ein Signal: da ist jemand, der an mich denkt, der mit mir in Kontakt treten und meine Aufmerksamkeit möchte: “Aufmerksamkeit ist die neue Währung unserer Zeit.”  Die Lösung unserer Probleme, so Miriam Meckel, sei so simpel wie effektiv: die kluge Unerreichbarkeit. Spannend schildert die Autorin, was in unserem “modernen” Alltag kommunikationstechnisch abgeht. Ihr Zwischenfazit unter Benutzung von aus dem Englischen übernommenen Schlagworten: “Wir sind overnewsed und underinformed. Wenn Datenquantität und Informations-Qualität auseinanderklaffen, versinken wir im Treibsand der Daten.”
    Zwischendurch hier der Buchumschlag:

    Miriam Meckel zitiert öfter schlaue Menschen wie den US-Psychologen Edward Hallowell, Spezialist für Informationsflut und menschliche Überlastung: “Es ist nicht das Videospiel, das dein Hirn zerrüttet, es ist das, was du wegen des Spiels nicht tust…”

    Bei Käufen aller Art sei es so wie bei den Informationen: es fällt schwer, eine Entscheidung zu treffen. Die Autorin nennt es “Die Tyrannei der Wahl”. “Der Mensch ist in seinen Entscheidungen nicht durch und durch vernünftig: er ist beschränkt. Deshalb trifft er keine optimalen, sondern für ihn angemessene Entscheidungen.”

    Absolut bestätigen kann ich Miriam Meckels überspitzte Aussage: Bei Wissensarbeitern wird im normalen Berufsalltag nicht mehr die Arbeit durch die E-Mail, sondern das Mailen durch die Arbeit unterbrochen! Nicht mehr als zehneinhalb Minuten seien den einzelnen größeren Arbeits-Einheiten gewidmet, weil wir dazwischen uns selber unterbrechen oder aber von anderen unterbrochen werden. Eine Folge davon: es steige die Fehleranfälligkeit und es sinke die Kreativität.

    Aus der Balance käme man, weil Berufs- und Privatleben verschwimmen und immer mehr verzahnt würden. So würden Arbeitsprozesse zerstückelt, Teile davon an unterschiedliche Orte und Zeitspannen verlagert.

    Im Buch finden sich “Grundregeln der gezielten Unerreichbarkeit” und auch ein Fazit der Autorin, worum es wirklich gehe: “Sich intelligent treiben zu lassen, nicht stupide getrieben werden, ob durch andere oder durch sich selbst.” – “Was ist daran so verwerflich, einfach einmal sinnlos vor sich hinzustarren und die Gedanken schweifen zu lassen?”

    Nicht Nestwärme suchten die Menschen heute, sondern “Netzwärme”. Und deshalb seien die Maschinen auch stets präsent: “Das mobile Kommunikationsgerät beansprucht mindestens das gleiche Recht auf Beachtung seines Besitzers wie das persönliche Gespräch.”

    Das Fazit des Buches: wir müssen Prioritäten setzen und wir brauchen einen Informations-Mix. Statt alles zu bekommen, das auf dem Informationsmarkt erhältlich sei, müssten wir uns auf die Verarbeitung wichtiger Informationen konzentrieren. “Dabei sollten wir gelegentlich die Medien wechseln, nicht nur im Netz surfen, sondern auch mal ein Buch lesen, vor allem aber die eigenen Informationen und Interessen im persönlichen Gespräch vertiefen und abgleichen.”

    “Wir dürfen abschalten. – Niemand muss immer erreichbar sein!”

    Jeder, der das Buch durchliest, fühlt sich immer mal wieder “ertappt”. Genau deshalb hilft das aber, die eigenen Kommunikations-Rituale zu reflektieren und gegebenenfalls zu ändern. Für mich persönlich boten die beiden etwas gemächlicheren Arbeitstage die Chance, das Buch von Miriam Meckel erneut zu entdecken und mir die von mir vor Jahren mit Bleistift hervorgehobenen Textstellen im Kopf wieder ein Stück nach vorne zu holen. Auch nicht schlecht.

    Miriam Meckel
    Das Glück der Unerreichbarkeit
    Murmann-Verlag
    ISBN 978-3-86774-002-9
    18 Euro
    Als Taschenbuch bei Goldmann 8,95 Euro

    Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende und jede Menge Muße!
    Ihr Ulrich Schweizer ulrich.schweizer@konradin.de www.malerblatt.de www.malerblatt-wissen.de www.twitter.com/malerblatt http://www.facebook.com/malerblatt.wissen?sk=wall